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Blumenladen Brigitte Dietel Alexanderstraße Ende Juli 2020

Ende August 2020 schließt Brigitte ihren Blumenladen nach 38 Jahren. Ende Juli 2020 schaute Swutz daher  nochmal bei ihr vorbei.

Bericht Nordbayerischer Kurier vom 16.07.20 (von Stefan Schreibelmayer)

Nach 38 Jahren ist Schluss

Brigitte Dietel schließt ihren Blumenladen in der Alexanderstraße – Wenn coole Männer plötzlich zittern

Eigentlich wollte Brigitte Dietel mit ihrem Blumenladen in der Alexanderstraße 40 Jahre vollmachen. 2022 wäre das gewesen. Aber jetzt schließt sie ihn doch schon Ende August. Corona ist nicht der Grund.

„Natürlich werde ich weinen, wenn ich die Ladentür zum letzten Mal hinter mir zumache“, sagt Brigitte Dietel. Und doch lächelt die 60-Jährige dabei. Denn es habe ihr immer Spaß gemacht, das Geschäft sei vor allem zeitlich immer die Nummer eins in ihrem Leben gewesen. „Rund 50 Stunden in der Woche im Laden, und dann kommt noch das Organisatorische dazu“, sagt Dietel und ergänzt lachend: „Den Garten daheim macht mein Mann, ich schau ihn mir nur an.“

Resolut wirkt sie im Gespräch gar nicht, dennoch nennt DietelDurchsetzungs- und Beharrungsvermögen als ihre größte Stärke. „Ich bin halt ein typischer Widder“, sagt die Floristin und erzählt, dass sie sich schon mit neun Jahren in den Kopf gesetzt habe, diesen Beruf zu ergreifen. „Blumenbinderin hieß das damals noch.“ Damals, als sie als kleines Mädchen auf den Wiesen rund um ihren Heimatort Haag Wildblumensträuße für ihre Mutter zusammensuchte. 

Der Vater wollte, dass die Tochter Frisörin wird. Doch die setzte sich durch, leitete nach der Ausbildung in Bayreuth kleinere Filialen in Coburg und Nürnberg. „Bis ich mir gedacht habe: Arbeiten musst du sowieso viel, das kannst du auch auf eigene Rechnung machen.“ Das Problem: „Ich habe in und um Bayreuth keine Bank gefunden, die die Finanzierung machen wollte.“ Sie sei mit 22 zu jung, hieß es. Erst in Höchstadt an der Aisch glaubte „ein älterer, erfahrener Banker“ an ihr Konzept.

Und das ist bunt, wie man in dem rund 80 Quadratmeter großen Laden in der Alexanderstraße unschwer erkennen kann. Ihre Lieblingsblume? „Die Rose natürlich. Aber auch alles andere, was natürlich ist – Astern, Kamille, Dahlien…“ Valentinstag, Muttertag und Weihnachten läuft das Geschäft am besten. 

Wobei der Geschmack der Kunden am wichtigsten sei. „Vor allem Männer freuen sich über Beratung“, erzählt Dietel. Oft gehe es dabei auch um Lebenshilfe, wie Mitarbeiterin Sabine Küffner ergänzt. Etwa, wenn Männer vor der Hochzeit ganz cool sind, „dann aber am Tag der Tage so zittern, dass sie ihr Anstecksträußchen nicht allein ins Knopfloch bekommen“. Oder der Kunde, der sich für die Rettung seiner Beziehung bedankte. „Der hatte richtig Mist gebaut. Und wir haben dann im Gespräch mit ihm erst mal mühsam herausfinden müssen, welche Farben seiner Frau wohl gefallen könnten. Und was er bei der Übergabe des Straußes am besten sagen soll, haben wir ihm auch noch mit auf den Weg gegeben“, sagt Küffner lachend. Weibliches Einfühlungsvermögen eben, das bei Trauerfällen ganz besonders gefragt sei. 

Und angekommen zu sein scheint. „Wir haben rund 70 Prozent Stammkunden, haben immer von Mund-zu-Mund-Propaganda profitiert“, sagt Dietel. Selbst die Corona-Zeit habe sie mit ihrem Lieferservice und einem „phänomenalen Muttertag“ ganz gut überstanden. Ihr Problem ist vielmehr, dass das Haus demnächst von Grund auf saniert und teils umgebaut werden soll. „Das dauert rund ein halbes Jahr und würde für uns zu starken Einschränkungen führen“, sagt die 60-Jährige. 

Deshalb habe sie nach langen Beratungen mit ihrem Mann Ende Mai entschieden, jetzt zu schließen, anstatt mit viel Unsicherheit bis 2022 durchzuhalten. „Ich bin froh, aus einem fahrenden Zug springen zu können, als auf dem Abstellgleis zu landen und dann aufhören zu müssen.“ Ihre vier in Teilzeit angestellten, langjährigen Mitarbeiterinnen sind zuversichtlich, wieder unterzukommen, haben schon erste Kontakte geknüpft. Übernehmen wollte den Laden keine von ihnen – eben wegen der Unsicherheit über die Bauarbeiten. „Das familiäre Miteinander werden wir vermissen“, sagt Sabine Küffner. 

Bis zur Schließung Ende August wird allerdings gut zu tun sein, bald beginnt der Ausverkauf. Außerdem sind noch Gutscheine in Umlauf. Wenn dann endgültig Schluss ist, wird Brigitte Dietelnicht nur ein paar Tränen verdrücken, sondern eine neue Aufgabe angehen: „Wir werden im September Großeltern. So wenig Zeit ich für meine Tochter hatte, die quasi im Laden aufgewachsen ist, so viel mehr Zeit habe ich für unser Enkelkind.“